Das Unbekannte managen? Mykotoxin-Risikobewertung in der Futtermittelproduktion

Für Händler und Produzenten von Rohstoffen in der Futtermittelindustrie steht heutzutage eine breite Palette an Möglichkeiten zur Verfügung, um Mykotoxinbelastungen zu messen und die damit einhergehenden Risiken zu beurteilen. Nach welchen Kriterien entscheidet man, welche der Methoden für die eigenen Bedürfnisse am geeignetsten ist?

Für Jahrzehnte wurden die Proben zum Nachweis von Mykotoxinen entnommen, und an ein analytisches, externes Labor geschickt, in vielen Fällen sogar ausschließlich. Die Entwicklung von einfachen Vor-Ort-Schnelltests ersetzt immer häufiger dieses Vorgehen, da diese Tests sehr benutzerfreundlich, einfach und mit weniger Kosten verbunden sind. Weitere Kriterien, die es im Vorfeld zu prüfen gibt, sind die Häufigkeit und der Umfang der Prüfung, die betrieblichen Anforderungen, der Zeitfaktor und auch die mögliche Notwendigkeit von akkreditierten Ergebnissen. Im Folgenden wird auf diese und andere Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen, eingegangen.

Prüfungen vor Ort vs. externes Labor

Im ersten Schritt bei der Wahl für das Analyseverfahren gilt es zu entscheiden, ob der Test direkt vor Ort selbst durchgeführt werden soll (z.B. im Lager oder der Produktionstätte), oder ob die Proben zu einem externen Dienstleistungslabor geschickt werden müssen. Für diese Entscheidung sind drei wesentlichen Punkte zu berücksichtigen:

1) Benötigter Probendurchsatz

Für häufige Tests (hoher Durchsatz) könnte es sich lohnen, Vor-Ort-Tests durchzuführen, da die Kosten in der Regel niedriger sind als die von externen Labors. Wenn nur gelegentliche Tests durchgeführt werden (also niedriger Durchsatz), ist das Einsenden der Proben an ein externes Labor eventuell günstiger und bequemer.

2) Analysendauer

Vor-Ort-Schnelltests liefern Ergebnisse zwischen wenigen Minuten bis zu maximal einer Stunde, je nachdem, welche Technologie verwendet wird. Werden Entscheidungen in kürzester Zeit benötigt (z. B. bei der Warenannahme), sind diese Analysen ein hilfreiches Werkzeug. Im Vergleich dazu können Analysen in externen Laboren von der Probennahme bis zur Ergebnismitteilung von ein paar Tagen bis zu einer Woche dauern.

3) Sensitivität

Vor-Ort-Analysen können als verlässliche und sichere Screening-Methoden kategorisiert werden, da sie schnell die Konzentration eines Analyten pro Probe liefern. Referenzmethoden, die in der Regel in analytischen Dienstleistungslaboren eingesetzt werden, sind wesentlich sensitiver und ermöglichen es, nicht nur Proben auf niedrige Konzentrationen zu testen, sondern auch eine größere Anzahl von Analyten gleichzeitig zu analysieren. Schnelltests Die beiden gängigsten Vor-Ort-Analysen sind Streifentests (LFDs oder Lateral Flow Devices) und ELISA (Enzyme-linked Immunosorbent Assay). Streifentests liefern Ergebnisse innerhalb weniger Minuten, man kann aber nicht mehr als zwei Proben gleichzeitig analysieren. Sie werden daher oft an Annahmestellen in der Lieferkette von landwirtschaftlichen Rohstoffen verwendet. ELISA-Kits hingegen können bis zu 44 Proben gleichzeitig analysieren. Der Einsatz von ELISAs ist daher oft die bessere Option, wenn sechs oder mehr Proben gleichzeitig analysiert werden, da auf diese Weise sowohl die Gesamtanalysenzeit als auch die Kosten pro Probe deutlich gesenkt werden.

Analytischer Service

Analytische Dienstleistungslabors haben in der Regel ihre eigene Palette an möglichen Methoden und Technologien, aus denen die Kunden wählen können. Neben den klassischen ELISA-Analysen werden in der Regel auch Referenzmethoden wie HPLC (high-performance liquid chromatography) und LC-MS/MS (liquid chromatography-tandem mass spectrometry) angeboten. Es gibt einige entscheidende Unterschiede zwischen diesen drei Methoden. Im Vergleich zu ELISA sind die HPLC und LC-MS/MS hoch empfindlich und können außerdem mehrere Analyten gleichzeitig analysieren, wobei letztere in der Lage ist, sehr viele Toxine gleichzeitig zu analysieren. Die Kosten für HPLC- und LC-MS/MS-Analysen sind dementsprechend deutlich höher.

Abbildung 1 & 2 - Mykotoxin-Testmethoden

Rohstoffe vs. fertige Futtermittel

Eine ständige Überwachung des Wareneingangs bei einer Futtermittelproduktion ist unerlässlich für Hersteller, die ihr Mykotoxinrisiko managen. Dabei ist der Einsatz von Schnelltests für ankommende Rohstoffe mittlerweile eine gängige Praxis. Entsprechende Protokolle für sie Schnelltests sind für die meisten Rohstoffe verfügbar. Ziel ist es, kontaminierte Rohstoffe schon abzufangen, bevor sie in die Lieferkette gelangen, um kostspielige Probleme später zu vermeiden.

Fertiges Futtermittel, das aus den verschiedensten Materialien besteht, weist eine größere Komplexität in Bezug auf die Analyse auf. Abhängig von der Menge des produzierten Futters, das überwacht werden muss, verwenden Hersteller Schnelltests oder schicken die Proben an externe Labore. Für kleinere Futtermittelhersteller und Produzenten, bei denen sich häufig die Zusammensetzung des Futtermittels ändert, empfiehlt es sich, die Analysen von einem externen Labor durchführen zu lassen.

Größere Futtermittelhersteller, die nicht oft ihre Formulierung ändern, können individuell angepasste Protokolle für Schnelltests erhalten. Um zuverlässig ein fertiges Futtermittel mit Schnelltests analysieren zu können, wird dringend empfohlen, eine Validierung (angepasstes Protokoll) für die spezifische Formulierung durchzuführen. Beachten Sie, dass sich die Zusammensetzung des Futtermittels stark verändern kann, je nach Marktpreis, Saison und Verwendung.

Zusammenfassung

Die wachsende Popularität von Schnelltests für Mykotoxine garantiert mehr Auswahl für Müller und Landwirte. Vor-Ort-Testmethoden bieten eine Reihe von Vorteilen, nämlich Geschwindigkeit, Kosten und Handlichkeit. Die Referenzmethoden, die ein analytisches Dienstleistungslabor anbietet, liefern eine höhere Sensitivität der Ergebnisse für eine größere Anzahl von Analyten. Es wird so ein umfassenderes Bild über den Grad der Kontamination geliefert, wenn auch zu deutlich höheren Kosten. Schnelltests sind eine gute Option für wenig komplexe Rohstoffe. Die Analyse von Fertigfutter hingegen sollte mit den Methoden eines analytischen Labors stattfinden. Sind die Schnelltests für diese Zusammensetzung validiert worden, können auch sie verwendet werden. Für ein effektives Mykotoxin-Monitoring empfiehlt es sich daher, für Futtermittelhersteller eine Kombination der Analysemöglichkeiten einzusetzen, die am besten zu ihren Anforderungen passen.

Lassen Sie sich jedoch nicht aufgrund der wachsenden Palette an Optionen und Möglichkeiten vom eigentlichen Faktum ablenken: Sie können nicht managen, was Sie nicht messen.

Dieser Artikel wurde in unserem Spot On Magazin veröffentlicht

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