Was für ein Mykotoxintester sind Sie? 4 Testertypen und was sie von einem Schnelltest erwarten

Wirtschaftliche Verluste, Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier, immer komplexere rechtliche Rahmenbedingungen: Die Gründe, warum Hersteller von Getreide, Lebens- und Futtermitteln auf Mykotoxine testen müssen, sind vielfältig. Joshua Davis, Kommunikationsmanager bei Romer Labs, und Ervin Tanyi, Key Account Manager bei Romer Labs, präsentieren häufige Situationen, in denen Schnelltests nützlich sein können.

Mykotoxine: eine wachsende Bedrohung

Der wirtschaftliche Schaden durch Mykotoxine wächst: Die FAO schätzt, dass 25 % der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion mit Mykotoxinen kontaminiert sind. Diese giftigen Substanzen können bei Mensch und Tier Gesundheitsprobleme von Krebs, über Erkrankungen der Leber und der Nieren bis hin zu Erkrankungen des Nervensystems, des Hormonsystems und vielem mehr auslösen. Bei einigen Mykotoxinen ist sogar bekannt, dass sie das Immunsystem unterdrücken.
In dem Maße, indem unser Wissen über Mykotoxine zunimmt, nehmen auch die gesetzlichen Beschränkungen für ihre Verwendung in Rohstoff en, Tierfutter und Lebensmitteln zu. Diese Beschränkungen haben wiederum eine Vielzahl von Strategien und Produkten hervorgebracht, um Mykotoxine nachzuweisen und die von ihnen verursachten Schäden für Gesundheit und Wirtschaft zu verhindern. Von den zur Verfügung stehenden Instrumenten haben sich Mykotoxin-Schnelltests auf der Grundlage der Lateral Flow Device-Technologie (LFD) als vielseitig und robust genug erwiesen, um vor Ort eingesetzt zu werden, und als genau genug, um in vielen Fällen Labormethoden überflüssig zu machen.
Wir arbeiten seit Jahren mit Getreide- und Futtermittelherstellern und -händlern auf der ganzen Welt zusammen und unterstützen sie bei der Implementierung von Geräten zum Mykotoxinnachweis an ihren Rohwarenannahmestellen, Getreidesilos, Futtermühlen und anderen Orten, an denen sie schnelle und genaue Mykotoxinergebnisse benötigen. In diesem Artikel präsentieren wir vier verschiedene Testerarten, die aus ähnlichen, aber unterschiedlichen Gründen Schnelltestlösungen benötigen. Wir hoffen, dass diejenigen unter Ihnen, die sich in einer dieser vier Rollen wiedererkennen, ein wenig darüber lernen, wie Schnelltestlösungen Ihren Mykotoxinnachweis unterstützen können.

Nr. 1: Der Getreidesammler (eingehende Rohmaterialien)

Einer der wichtigsten Prüfpunkte in der Lebensmittelkette ist die Annahme von Rohstoffen – wir bezeichnen diejenigen, die diese entscheidende Aufgabe ausüben, gerne als „Getreidesammler“. Der Getreidesammler entscheidet auf der Grundlage ihres Mykotoxingehalts über die Annahme, Ablehnung oder anderweitige Aussonderung von Rohstoffen, zumeist Rohgetreide. Getreidesammler benötigen Testmethoden, die sehr spezifische, lokale Anforderungen erfüllen.
Für den Getreidesammler ist die Zeit bis zum Vorliegen eines Ergebnisses von entscheidender Bedeutung, da alle Beteiligten der Lieferkette auf seine Entscheidung warten. Innerhalb von Minuten müssen Lkw-Fahrer oder Bahnbetreiber wissen, ob sie ihre Sendung entladen können und wenn ja, wo. Wer weiter unten in der Lieferkette steht, z. B. diejenigen, die die Materialien lagern oder weiterverarbeiten, verlassen sich ebenfalls darauf, dass der Getreidesammler eine schnelle und genaue Entscheidung trifft.
Die Testmethode sollte außerdem einfach sein, damit der Getreidesammler sie leicht erlernen und sicher durchführen kann. Diese Einfachheit ist von entscheidender Bedeutung, da er bereits mit anderen zu messenden Parametern schwer beschäftigt ist: Neben Mykotoxinen sind unter anderem auch Feuchtigkeit, Sauberkeit und Proteingehalt in kurzer Zeit zu messen.
Darüber hinaus muss die Rohwarenannahme robust gestaltet sein – sowohl hinsichtlich der Tests als auch der Ausrüstung. Bei der Getreideannahme und Vermahlung entsteht weit mehr Staub als in einer normalen Laborumgebung. Außerdem kann die Umgebungstemperatur je nach den Wetterbedingungen bei der Getreideernte stark schwanken. Die Testgeräte müssen entsprechend widerstandsfähig gegen diese rauen Bedingungen sein.
Angesichts all dieser Herausforderungen braucht der Getreidesammler eine praktische Möglichkeit, die Ergebnisse zu verwalten. Früher reichte es aus, die Ergebnisse von den Teststreifen oder dem Display eines Lesegeräts abzulesen und manuell zu dokumentieren. Heutzutage ist Konnektivität ein Muss: Die Ergebnisse müssen leicht auf Computersysteme, einschließlich LIMS- und ERP-Plattformen, übertragen werden können.

Nr. 2: Der Präzisionstester (QC für hochveredelte Produkte)

Ähnlich wie der Getreidesammler benötigt auch derjenige, der Qualitätskontrollen für hochveredelte Produkte wie Zitronensäure, Stärke, Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt und andere biologisch abbaubare Zutaten natürlichen Ursprungs durchführt, zuverlässige und schnelle Lösungen für die Prüfung auf Mykotoxine.
Ihre Ausgangssituation könnte jedoch kaum unterschiedlicher sein: Der Präzisionstester steht in der Regel nicht unter dem Zeitdruck von auf die Entladung ihrer Waren wartender Lastwagen an den Annahmestellen und hat oft den Vorteil einer Laborumgebung und geschulter Mitarbeiter. Er ist vor allem mit den hohen Anforderungen der Inhaltsstoff produktion beschäftigt und hat ein Auge für Präzision. Wir nennen ihn den „Präzisionstester“.
Obwohl er Zugang zu Analysemethoden wie HPLC oder Massenspektrometrie hat, bevorzugt der Präzisionstester wegen seiner Einfachheit und Flexibilität oft einen Mykotoxinschnelltest. Dank der Erhöhung des Testvolumens mit Schnelltestkits werden komplexere Geräte und Arbeitszeit für andere notwendige Laborarbeiten frei.

Nr. 3: Der Mykotoxin-Polizist (Einhaltung von Vorschriften und Grenzwerten)

Sowohl der Getreidesammler als auch der Präzisionstester arbeiten in der Regel für ein Unternehmen, das mit Rohstoffen handelt oder Waren aus diesen Rohstoffen herstellt. Der Mykotoxin-Polizist interessiert sich in der Regel nicht für das Endergebnis eines Unternehmens, sondern stellt sicher, dass die Vorschriften eingehalten werden. Er ist häufig bei Zertifizierungsunternehmen oder Aufsichtsbehörden angestellt und überwacht die Einhaltung von Mykotoxingrenzwerten und die Zertifizierung von Bahn oder LKW-Transporten. Aus diesem Grund bezeichnen wir diejenigen, die diese wichtige Rolle spielen, gerne als Mykotoxin-Polizisten.
Mykotoxin-Polizisten arbeiten fast immer weit entfernt von einer herkömmlichen Laborumgebung – wenn überhaupt, dann ist ihr Labor auf das beschränkt, was in den Kofferraum ihres Autos passt. Sie untersuchen Züge, die an entlegene Orte fahren, um die Einhaltung von Vorschriften zu gewährleisten. Da sie oft weit von den Handelszentren entfernt arbeiten, ist eine Internetverbindung ein Luxus, der ihnen nicht immer zur Verfügung steht. Sie verfügen oft nicht über die Mahlgeräte, die dem Getreidesammler zur Verfügung stehen, und müssen sich auf Kaffeemühlen verlassen, um ihre Proben zu erhalten.
Genau wie komplexe Laborausrüstungen für den Mykotoxin-Polizisten nicht in Frage kommen, ist auch nicht jede Schnelltestlösung geeignet. Abgesehen von den grundlegenden Anforderungen an Empfindlichkeit, Genauigkeit und Benutzerfreundlichkeit müssen die Teststreifen und Lesegeräte trotz ständiger Mobilität eine hohe Qualität gewährleisten. Mobilität ist das Hauptaugenmerk und spezielle Ausrüstungen wie Netzadapter und Batterien ermöglichen es den Mykotoxin-Polizisten, dorthin zu gehen, wo sie am meisten gebraucht werden.

Nr. 4: Der Tierschützer (Mykotoxin-Risikomanagementprogramm)

Für diejenigen, die die letzte hier vorgestellte Rolle spielen, ist die Gesundheit der ihnen anvertrauten Tiere von größter Bedeutung. Der Tierschützer stellt sicher, dass das Futter seiner Tiere gesund ist und innerhalb der zulässigen Grenzwerte für die Mykotoxinkonzentration liegt. Die Vorschriften sind jedoch nur ein Teil: Empfehlungen von Tierärzten können oft zu weit strengeren Grenzwerten führen als die offiziellen.
Der Tierschützer weiß, dass er das Mykotoxinrisiko in Futtermitteln erst einmal messen muss, um es zu beherrschen. Die Mykotoxinkonzentration einer bestimmten Charge von Futtermitteln oder in Futtermittelzutaten gibt Aufschluss darüber, für welche Tierart es verwendet werden kann bzw. ob es überhaupt verwendet werden kann. Unserer Erfahrung nach kann der Tierschützer nicht immer warten, bis die Mykotoxinergebnisse vorliegen, bevor er über die Verwendung einer Charge oder das Einsetzen eines Futtermittelzusatzstoffs, wie zum Beispiel eines Mykotoxin-Inaktivators, entscheidet. Schnelltests helfen dem Tierschützer, seine Tiere vor den schädlichen Auswirkungen von Mykotoxinen zu schützen und gleichzeitig sicherzustellen, dass der Nährstoffbedarf seiner Tiere gedeckt wird.

Schlussfolgerung: Ein allgemeines Bedürfnis nach Schnelligkeit

(und Empfindlichkeit, Benutzerfreundlichkeit und Präzision)

Getreidesammler, Präzisionstester, Mykotoxin-Polizisten, Tierschützer: Sie alle haben unterschiedliche Erwartungen an eine Mykotoxin-Schnelltestlösung.

GESCHWINDIGKEIT. Die Tester haben keine Zeit zu verlieren. Vielleicht sind Sie der Getreidesammler, der den im Hof stehenden Lastwagen sagen muss, ob oder wo sie abladen sollen, oder vielleicht sind Sie der freiberufliche Mykotoxin-Polizist, der testen, zertifizieren (oder auch nicht) und zum nächsten Standort eilen muss. Wie dem auch sei, Sie brauchen ein System, dass das „schnell“ in Schnelltests umsetzt.

EMPFINDLICHKEIT. Alle Tester brauchen ein System, das die Ergebnisse bis hinunter zu den von den Behörden geforderten niedrigen Konzentrationen liefern kann. Manche Tester haben es mit internen Grenzwerten zu tun, die strenger sind als die der Aufsichtsbehörden. Wenn dies auf Sie zutrifft, müssen Sie sicherstellen, dass
jedes System, das Sie in Betracht ziehen, einen LOD hat, der Ihren Anforderungen entspricht und für die zu testenden Produkte validiert ist.

BENUTZERFREUNDLICHKEIT. Was macht einen Schnelltest benutzerfreundlich? Unsere Kunden nennen immer wieder eine Sache, die ein Kit benutzerfreundlich
macht: einen gestrafften Arbeitsablauf. Wenn man beispielsweise die Bedürfnisse eines Tierschützers berücksichtigt, der mit verschiedenen Aufgaben jonglieren muss, ist ein Arbeitsablauf mit so wenigen Schritten wie möglich ein Muss. Wir möchten jedoch ergänzen, dass der Arbeitsablauf nur ein Teil des Ganzen ist: eine große und intuitiv aufgebaute Benutzeroberfläche auf dem Lesegerät trägt ebenfalls dazu bei, allen Testern das Leben zu erleichtern.

PRÄZISION. Aus offensichtlichen Gründen kann niemand in einer dieser Rollen ein Schnelltestsystem akzeptieren, das unzuverlässige Ergebnisse liefert. Die hochspezialisierte Arbeit, die in die Produktion von veredelten Materialien wie Trockenschlempe einfließt, darf zum Beispiel nicht durch inakzeptable Mykotoxinwerte beeinträchtigt werden.

Unabhängig von der Rolle, die wir selbst beim Nachweis von Mykotoxinen spielen, werden wir letztlich von einem Gebot geleitet: unsere Lebens- und Futtermittel
innerhalb akzeptabler Werte zu halten. Mykotoxinschnelltests werden auch in Zukunft ein unverzichtbares Instrument sein, um die Anforderungen des Marktes zu erfüllen.

Dieser Artikel wurde in unserem Spot On Magazin #13 veröffentlicht

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